Bach auf den Hund gekommen

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Bach auf den Hund gekommen

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Kurzübersicht

Mit lapidarem Humor und einer gesunden Portion Selbstironie erzählt Bernhard Hecker zwölf Geschichten aus der Zeit vor, während und nach der »Vereinnahmung der bananenarmen Republik durch die vor Bananen strotzende«.

Details

»Nachdem sich Michael R. Binding – jede Wette, dass er das R. einfach hinzuerfunden hatte – mit Frau, Kindern und Hund in Richtung Spree davongemacht hatte, traten ungeheuerliche Ereignisse ein. In seinem neuen Wirkungsort fiel eine Mauer und anschließend der Verlag, in dem er arbeitete. Es gab plötzlich jede Menge Bananen, nicht nur in Berlin. Ostdeutsche Säuglinge wurden für den Empfang von Begrüßungsgeld reisefertig gemacht. Und meine Frau schaffte sich einen Hund an, was unser Leben fortan mehr revolutionierte als die ganze politische Wende.«

Mit lapidarem Humor und einer gesunden Portion Selbstironie erzählt Bernhard Hecker zwölf Geschichten aus der Zeit vor, während und nach der »Vereinnahmung der bananenarmen Republik durch die vor Bananen strotzende«. Er erzählt vom Fest der Tschechischen Blasmusik, vom neuen Weltniveau in Bad Schandau, von den Variationen seines Oberlippenbartes, von den grün lackierten Fingernägeln einer polnischen Studentin und von einer Kloßpresse, hinter der man am Grenzübergang »das Modell einer Abschussanlage sowjetischer Luftabwehrraketen« vermutet.

Zusatzinformation

ISBN 978-3-940085-48-1
Autor Bernhard Hecker
Buchtitel Bach auf den Hund gekommen
Untertitel Wie ich mit einem Dobermann die Goldberg-Variationen hörte und elf weitere Geschichten
Lieferbarkeitsstatus lieferbar
Auflagenart Neuausgabe
Erscheinungstermin 12.10.2011
Verlag Verlag Neue Literatur
Seitenzahl 74
Breite (cm) 12,20 cm
Höhe (cm) 19,00 cm
Verarbeitung Softcover
Abbildungen s/w k. A.
Abbildungen farbig k. A.
Autoren-Information

Bernhard Hecker

Leseprobe

Kein gutes Mädchen
In Kolín kriegte der alte Fritz einst mächtig einen auf die Nase, was mir den Ort von vornherein sympathisch machte. Dann war da noch das Fest der Tschechischen Blasmusik, von der ich zwar kein ausgesprochener Liebhaber bin, die ich mir aber als akustischen Hintergrund von Zechgelagen gefallen lasse.
Ganz anders als mein Freund Leo, der die böhmische Blasmusik über alles liebt, obwohl er nur Zither spielt. Rein optisch hätte die Tuba besser zu ihm gepasst. Es war uns gelungen, ein kleines Hotel am Stadtrand ausfindig zu machen, das zwar alles andere als luxuriös war, aber dem schmalen Kronendeputat ostdeutscher Böhmenreisender entsprach. Sein empfindlichster Nachteil waren die über den Daumen zwei, drei Kilometer, eine Elbüberquerung eingeschlossen, die es von den geräuschvollen Festspielstätten und unserem gastronomischen Ankerplatz »Zum Rathaus« trennte. Das war ein Lokal, dessen innerer Lärmpegel dermaßen apokalyptisch war, dass daneben sogar die alles andere als zimperliche Blasmusik erstarb. Bei unserem ersten Besuch dort hatten wir die Gesellschaft zweier Sächsinnen zu ertragen, die sich sofort daran machten, mit vereinten Kräften die Tischdecke auszuschütteln. »Nor Traudel, da hammer aber scheene eingekauft in der Scheschei.« »Sogar unsre Zollbeamten koofen ja de Sardinenbüchsen.« »Ob se das eschentlich därfen?« Leider hatte ich nicht die Macht, ein Lokalverbot, geschweige denn ein Landesverbot, auszusprechen. Zum Glück näherte sich der Kellner mit einem Tablett voller Biergläser, ein Anblick, der einen sogar nach dem Alptraum nölender Reise-Sächsinnen wieder mit der Welt versöhnt. Leo hatte schon ziemlich viel Geld ausgegeben, so dass er dem Kellner einen illegalen Tausch anbot, bei dem der tschechische Partner immer der Gewinner war. Der wusste, dass die Dederonen, wie die DDR-Bürger im so genannten Freundesland bezeichnet wurden, dringend bare Münze brauchten und diktierte den Umtauschkurs. Leo schätzte sich glücklich, proMark zwei Kronen auf die Hand gezählt zu bekommen. Nach dem offiziellen Kurs hätte es eine Krone mehr sein müssen. Das fand ein Bier vor dem fast schon triumphalen Einzug der Zigeuner-Großfamilie statt. Sie ließ sich an unserem Tisch nieder, wo es atemberaubend eng wurde. Der einzige Mann, vermutlich der Opa, glänzte im Sonntagsstaat mit Schlips und Kragen. Er wurde eskortiert von Frauen unterschiedlichen, aber meist jüngeren Alters: Jilka, Jitka, Dana, Fiolka und – Jarka. Letztere, mit traurig-schönem Gesicht, sehr buntem Seidenschal um den Hals und knackig engen Jeans, quetschte sich neben mich an den Biertisch.

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