Galeere Lebenslänglich

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Kurzübersicht

Paul Mauruschat teilt das Schicksal vieler Millionen Deutschen: Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entwurzelt und aus seiner Heimat vertrieben.

Details

Paul Mauruschat teilt das Schicksal vieler Millionen Deutschen: Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entwurzelt und aus seiner Heimat vertrieben. 1926 in Willenberg in der ehemaligen Provinz Ostpreußen geboren, flieht seine Familie aus Angst vor den sowjetischen Truppen tief ins Deutsche Reich hinein.
Gestrandet in der damaligen DDR, lässt ihn seine ostpreußische Herkunft nicht los und er versucht, sie in sich lebendig zu halten – ein schwieriges Unterfangen in einem Überwachungsstaat, der das Thema Flucht und Vertreibung als Tabu behandelt.
Die Frage, warum ihm die Auseinandersetzung mit seinem Recht auf Heimat verwehrt bleibt, quält ihn zusehends, sodass er sich allen Widrigkeiten zum Trotz auf die Suche nach Antworten begibt ...
In über 20 Jahren Schreibarbeit hat Bernhard Fisch ein Leben voller innerer Zerrissenheit dokumentiert – von der unbeschwerten Kindheit in Masuren über die Vertreibung bis zum anschließenden Werdegang in der DDR – und liefert mit »Galeere lebenslänglich« einen bewegenden Tatsachenbericht. Prall gefüllt mit Alltagsbeschreibungen, angelegt auf Vergangenheitsbewahrung und -bewältigung, macht es sich dieses Buch zur Aufgabe, die Vertriebenenproblematik aus dem Blickwinkel eines Betroffenen zu beleuchten, dem es gelang, zeitweilig Nischen zu finden, in denen er seine Heimatliebe ausleben konnte.

Zusatzinformation

ISBN 978-3-940085-47-4
Autor Bernhard Fisch
Buchtitel Galeere Lebenslänglich
Untertitel Ein Ostpreuße in der DDR
Lieferbarkeitsstatus lieferbar
Auflagenart Neuausgabe
Erscheinungstermin 22.08.2011
Verlag Verlag Neue Literatur
Seitenzahl 204
Breite (cm) 12,20 cm
Höhe (cm) 19,00 cm
Verarbeitung Softcover
Abbildungen s/w k. A.
Abbildungen farbig k. A.
Autoren-Information

Bernhard Fisch

Leseprobe

Abrechnung

Die Galeere ist ein Kriegsschiff, das von Ruderern fortbewegt wird. »Das Boot wird von Sträflingen, Sklaven oder Kriegsgefangenen gerudert. Die Männer sind an ihre Sitzbalken angekettet. Sie stöhnen unter den Peitschenhieben der Aufseher.«1 Fast wie diese Ruderer fühlt sich der Autor dieses Berichts. Er stöhnt unter der Last der Generationen, die Ostpreußen gebaut haben. Er ist an dieses Land gekettet – vor allem geistig – und kann sich davon nicht losreißen. Doch besteht ein Unterschied: Das reale Schiff wird bewegt, der Autor dagegen tritt auf der Stelle, wie er sich auch windet, er kommt nicht voran. So stellt sich die alles entscheidende Frage: Wie konnte
das geschehen? Das ist ihm in Deutschland noch nicht beantwortet worden. Auch die deutschen Großforscher blieben bisher eine Auskunft schuldig. Nach dem Anschluss der DDR an die BRD hat Paul Mauruschat an vielen Veranstaltungen des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaft Ostpreußen teilgenommen. Er hoffte, dort eine Antwort zu erhalten. Seine Landsleute, die über vierzig Jahre lang heimatliche Identität hatten pflegen können, nahmen ihn mit Interesse und Sympathie auf. Manche begegneten ihm wegen seiner DDR-Sozialisation aber auch mit Misstrauen. Die Gutgesinnten jedoch konfrontierten ihn immer wieder mit der Frage: »Wie haben Sie in diesem System Ihre eigene Verbindung zu Ostpreußen aufrechterhalten können?« Wenn er dann anfing zu erzählen, wie er das gemacht habe, welche Schliche und Umwege er gehen musste, um die Heimat in sich lebendig zu erhalten, dann hieß es über kurz oder lang: »Schreiben Sie das auf, das ist doch pralles DDR-Leben. Was ein Durchschnittsbürger erlebte, das interessiert andere Menschen mehr noch als die Memoiren der Politbüromitglieder.« Aber die Antwort, die er gesucht hatte, bekam er so auch nicht. Darum hat er diesen Text schon vor fast zwanzig Jahren begonnen. Der wurde zugleich zur Abrechnung mit der Politik der SED, der er über 40 Jahre angehört und ihr gemeinsam mit seiner Frau die besten Kräfte gewidmet hatte. Zugleich dokumentiert er Ausschnitte aus dem Alltag der DDR, wo viel Einfaches manchmal unmöglich, manches Komplizierte aber eben auch machbar war. Es handelt sich deshalb mehr um einen Tatsachenbericht als um Belletristik.

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