| Leseprobe |
Vorstellung und Ausritt Verzeiht mir, Herrin, daß wir noch immer nicht zu Pferde sind; aber Ihr wißt, daß auch der Don stets darauf bedacht war, einen Kampfplatz nach Länge und Breite genau zu vermessen, daß man die Lanze wiegt und die Spitze des Degens prüft und die Regeln bestimmt, nach denen man aufeinander eindringen will. Er hat es hundert Male so gehalten, und hundertmal hat es den Ruf bestätigt, der ihm vorauslief, dem sinnreichen und wohlbedachten Junker aus der Mancha, der zudem mit seiner Rede so gut war wie mit dem Schwert, und der sein Pferd tummeln konnte wie seine Gedanken. Überlaßt es mir, Herrin, Euch nun zunächst vorzustellen. Längst wissen die gewandte Leserin und der scharfsinnige Leser, daß Ihr aus nämlichem Stande seid wie der Don, der nun von seinen weltbewegenden Abenteuern Abschied genommen hat und ewiger Ruhe pflegt – wohlverdienter Ruhe, noch ehe er seine Memoiren schreiben konnte; schade, daß er mit der Feder nicht ebenso schnell war wie mit dem Degen! – und so werden wir auf den großen Schatz seiner Erfahrungen verzichten müssen, auf den zuzugreifen für niemanden rufschädigend gewesen wäre, denn: Es ist gut, erfahrenes Wissen zu nutzen und aus dem Schaden anderer klug zu werden! Ihr also, Herrin, müßt, wenn Ihr so wollt, alle Eure Erfahrungen selbst machen. Nur ich kann Euch dabei ein wenig helfen, denn der Don hat, als er Eure Entschlossenheit spürte, seinen Abenteuern zu folgen, gesagt: "Macho Pansa, Du warst mir ein treuer Knecht, mehr, Du warst mir ein wahrer Kumpel, wie ich mir nur schwer einen besseren hätte suchen können. Die Herrin meiner letzten Tage, die nun auch Deine Herrin ist, also unsere Herrin, wird Dich brauchen, denn die Abenteuer, nach denen sie ausreiten will, werden eine ganze Frau fordern – und vielleicht auch noch einen Mann dazu, so wie es geschrieben steht, daß einer des anderen Last trage. Also rüste dich, sie zu begleiten!" Nichts war mir je bedenklicher als dieser Befehl meines Herrn, aber da es sein letzter war und ich die Dringlichkeit in den Augen des Don deutlich lesen konnte, war ich nicht Manns genug, ihm ernstlich zu widerfahren. Auch ein hinhaltender Widerstand in den ersten Gesprächen mit Euch, Herrin, in denen ich versuchen wollte, die Gefahren noch gefährlicher, alle Schmach des Versagens noch schmählicher und mitzudenkende Niederlagen noch bedrückender, vor allem aber für unvermeidlich darzustellen, nutzte wenig: Der Geist der Quijotes ist auf ewig unbesiegbar! |