Eineinhalbjährig - unfreiwillig

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Kurzübersicht

»Eb aaner do enn Buckel hot, dos hot gar nicht ze sogn, is haaßt, dar Kerl is noch gut genug, do naus in Schützngrom.«

Details

»Eb aaner do enn Buckel hot, dos hot gar nicht ze sogn, is haaßt, dar Kerl is noch gut genug, do naus in Schützngrom.«
Anderthalb Jahre – so lange dauerte der Pflichtdienst in der Nationalen Volksarmee der DDR; an diesen 18 Monaten führte kein Weg vorbei, wollte Mann sich nicht die Karriere verbauen. „Eineinhalbjährig – unfreiwillig“ ist Mitte der 80er Jahre während des Grundwehrdienstes in der NVA entstanden; es gewährt auf humorvolle Weise Einblicke in den Tagesablauf, in die Sorgen und Nöte, aber auch in die weniger ernsthaften Momente im Dasein eines Rekruten. Gewürzt werden die Tagebuchaufzeichnungen mit Sinn- und weniger sinnigen Sprüchen, wie man sie seit jeher an die Wände der Soldatenstuben gekritzelt findet – darunter sowohl moderne, als auch einige vom Großvater des Autoren, die dieser vor über 80 Jahren während seiner Militärzeit in erzgebirgischer Mundart verfaßt hat.

Zusatzinformation

ISBN 978-3-934141-16-2
Autor Matthias Steinbach
Buchtitel Eineinhalbjährig - unfreiwillig
Untertitel Ein Soldatentagebuch (1986-88)
Lieferbarkeitsstatus lieferbar
Auflagenart Neuausgabe
Erscheinungstermin 01.06.2001
Verlag Verlag Neue Literatur
Seitenzahl 104
Breite (cm) 12,20 cm
Höhe (cm) 19,90 cm
Verarbeitung Hardcover
Abbildungen s/w k. A.
Abbildungen farbig k. A.
Autoren-Information

Matthias Steinbach

Leseprobe

Jena, 31. Oktober 1986

Mein zwanzigster Geburtstag. Es gab Zeiten, da machten Zwanzigjährige Revolutionen. Normalerweise aber wurden sie, nicht anders als ihre Väter und Großväter, wie auch ich jetzt wehrpflichtig. Früher hatte ich einen ausgesprochenen Hang zum Militärischen: Da war der abschnittsbevollmächtigte Polizist, Vater eines Schulkameraden und beschlagener Modelleisenbahner; vor allem aber gab es die erdbraunen Uniformen der sowjetischen Militärpatrouillen – Soldaten mit roten Armbinden und straff am Gürtel sitzenden Pistolen. Manchen hingen ihre Mützen verwegen ins Gesicht. Angst vor ihnen kannte ich nicht. Sie zu hassen, war mir von niemandem beigebracht worden, nicht einmal von meinem Großvater, der gegen sie gekämpft und in ihren Lagern gesessen hatte. Doch gab es andere Leute, die, obzwar mit ähnlicher Biographie, noch nach ihrer Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wahrlich böse Erfahrungen gemacht hatten. So der Tischlermeister aus Löbstedt, dem einer ihrer Panzer eines Tages im Wohnzimmer stand, nachdem er von der Straße abgekommen war. Sein Junge, der in meine Klasse ging, hatte folglich seine eigene Meinung. Da blieb immer noch etwas übrig vom „Iwan“ der Nazipropaganda. Mit zwanzig hat man noch keinen Begriff von Zeit und wehrt sich gegen das Erwachsensein. Doch beginnt man – viel zu früh – sich zu erinnern. Den Zustand aufgezwungener Fremde vor Augen, wundert es mich, daß ich nie wirklich ausgebüxt, durchgebrannt bin, nicht einmal einen Gedanken daran verschwendet habe. Vaters bester Spruch heute: „Gratulation zum Tag, den du schuldhaft nicht verursacht hast.“ Für mich kann ich also nichts. Existenz und Geburt scheinen zwar eine Folge unwägbarer Zufälle zu sein, doch ist der Geburtstag immer ein Anlaß, den Eltern zu danken. 

Verkaufshinweise k. A.
Rezensionen k. A.
Beigaben k. A.
Gewicht 0,238

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